Am 29. Juni 2021 fand die feierliche Hauptpreisverleihung des zweistufigen Drehbuchwettbewerbs IF SHE CAN SEE IT, SHE CAN BE IT – Frauen*figuren jenseits der Klischées online statt. Zur Auswahl standen fünf Treatments von Autor*innen, die in der ersten Stufe des Wettbewerbs mit 5.000 Euro ausgezeichnet wurden. Durch die Preisverleihung führte die Performancekünstlerin Stefanie Sourial als Host.

Mit ihrem Treatment zu MENSTRUACHAT – Wenn die Tage zur Regel werden gewinnen Anna Schwingenschuh und Evamaria Schaller den Hauptpreis der 5. Runde des IF SHE CAN SEE IT, SHE CAN BE IT Drehbuchwettbewerbs.

Die Preisträgerinnen erhalten 15.000 Euro, sowie eine dramaturgische Begleitung zur Entwicklung eines Drehbuchs.

Jurybegründung
Es gibt viele Gründe diese Geschichte auszuzeichnen: Sie ist schräg, witzig und originell. Was die Jury aber am meisten überzeugte, ist ihr Mut, ein Tabu so charmant und irrwitzig auf den Kopf zu stellen, dass wir – egal ob Mann oder Frau – nicht umhin kommen uns selbst zu hinterfragen, inwieweit dieses Tabu auch unser eigenes Leben und Handeln prägt.
 Auf der ganzen Welt investieren Tag für Tag Millionen von Frauen und Mädchen unglaublich viel Kraft und Mühe darin, dass bloß niemand weiß, merkt oder gar sieht, dass sie – menstruieren. Die blutige Spur darf für niemanden sichtbar sein. Die zwei Autorinnen schlagen mit ihren film-literarischen Fäusten auf den Tisch und erzählen voller Energie eine Geschichte, die ein scharfes Statement ist und dennoch eine skurrile Komödie. Sie erzählen aus dem Leben des Mädchens Mouna, das in eine Gesellschaft hineingeboren wird, in der die Frauen den Ton angeben und alles sich um den weiblichen Monatszyklus dreht. Ein Matriarchat, das den totalitären Anspruch hat, die perfekte Gesellschaftsform zu sein. Da Mouna die Enkelin der Staatsgründerin ist und damit automatisch Ansehen und Respekt genießt, scheint ihrer glorreichen Zukunft nichts im Weg zu stehen. Doch es kommt anders.


MENSTRUACHAT – Wenn die Tage zur Regel werden
Mouna ist Teenagerin und hat ein Problem, sie bekommt ihre Menarche nicht. Das wäre nicht dramatisch, würde sie nicht in einem Staat leben, der sich komplett dem weiblichen Zyklus verschrieben hat. Der Druck ist groß und Mounas Zorn auf das System noch größer. Doch sie ist nicht so allein damit, wie sie denkt. Ein Coming-Of-Period-Film mit groteskem Blutrausch von 90 Minuten tamponiert mit Episoden von aufklärerischer Tendenz.

Eine Lobende Erwähnung wurde Manuela Molin für ihr Treatment Who’s that Bird? ausgesprochen.

Jurybegründung
In sehr filmischer Sprache hat uns Manuela Molin in eine von Robotern und Technik dominierte, erkaltete Welt entführt, in der das aufgeweckte und vielschichtig gezeichnete Mädchen Charlotte mit Hilfe eines sonderbaren Vogels, den Weg zurück in ihre eigene Fantasie findet. Es hat uns großen Spaß gemacht „Who’s that Bird?“ zu lesen und wir hoffen, dass Manu Molin ihren mutigen Weg weitergehen wird.

Who’s that Bird?
Durch die Begegnung mit dem eigenwilligen Vogel Kakapo entdeckt Charlotte ihr Selbstvertrauen und die Lust am Leben, die nicht nur sie grundlegend verändert, sondern auch ihre äußere Welt in Wandel versetzt.

Die gesamte Preisverleihung mit der Dankesrede der Preisträgerinnen Anna Schwingenschuh und Evamaria Schaller, einem Interview von Stefanie Sourial mit den beiden, Gratulationsworten von Roland Teichmann sowie einem Gespräch zum 5 Jahres Jubiläum des Drehbuchpreises mit Iris Zappe-Heller und Wilbirg Brainin-Donnenberg kann am YouTube Kanal des Drehbuchforums nachgesehen werden.

Wir gratulieren den Preisträgerinnen!

Nominiert für den Hauptpreis waren:

    • Johannes Hoss und Clara Stern mit Geld oder Leben
    • Mara Mattuschka mit Second Youth
    • Manuela Molin mit Who’s that bird?
    • Naima Schmidt mit Pregxit
    • Anna Schwingenschuh und Evamaria Schaller mit Menstruachat – Wenn die Tage zur Regel werden

Dank an die internationalen Jury:

Pia Hierzegger, (Drehbuch)Autorin, Schauspielerin, Theater-Regisseurin
Alarich Lenz, Editor
Alexandra Makarová, Drehbuchautorin, Regisseurin, Preisträgerin des Vorjahres
Gabriele Mathes, Dramaturgin, Drehbuchautorin und Regisseurin
Yasemine Şamdereli, Drehbuchautorin und Regisseurin

Statements von:
Iris Zappe-Heller, stellvertretende Direktorin Österreichisches Filminstitut, gender*in*equality
Roland Teichmann, Direktor des Österreichischen Filminstituts

Special Guest: Stefanie Sourial, schaffende Performance – Künstlerin
Moderation: Wilbirg Brainin-Donnenberg, Geschäftsführerin drehbuchFORUM Wien und Initiatorin des Wettbewerbs

Weiterführende Infos zum Wettbewerb hier.