21. März 2026
Nachschau: Unter der Haut – Körper, Macht und Trauma
Audiomitschnitt zum Nachhören der ganzen Diskussion
FC Gloria Diskussions-Salon bei der Diagonale, modieriert von Dalia Ahmed (FM4). Am Panel waren Regiesseurin und Drehbuchautorin Magdalena Chmielewska, Autorin und Regiesseurin Angelika Reitzer und Kunsthistorikerin Rose-Anne Gush.
Der auch auf der Diagonale ausgezeichnete Film „Teresas Körper“ von Magdalena Chmielewska ist eine intime, persönliche Familiengeschichte mit autobiographischen Zügen. Magdalenas Mutter Teresa lebt mit chronischen Rückenschmerzen.
„Ich glaube, der Körper erinnert sich, der Körper vergisst nicht. Auch wenn wir von unseren Gesellschaften sehr stark oder gut eingeschult werden zu verdrängen, was eigentlich schmerzhaft ist. Es braucht große Aufmerksamkeit brauchen, um uns davon zu dissoziieren, um weitermachen zu können und überleben zu können. (…) Meine Mutter ist ein Vorbild für mich, eine Expertin in puncto Resilienz, wie man einfach weitermacht. Trotz allem, trotz Gewalt und Missbrauch, wie man weitergeht, in der Früh aufsteht, in einen Fleischladen geht, um etwas zu verdienen, um die Kinder ernähren zu können. (…) ich dachte, ich kann eine Hommage für sie machen, in der sie in meinem filmischen System das ganze Bild einnehmen kann. Da, wo sie im patriarchalen System immer am Rande gelebt hat.“
Der Kurzfilm „Das Höhenphänomen“ ist das Filmdebüt der Regisseurin und Autorin Angelika Reitzer. Im Prolog sieht man die Protagonistin als Kind der Achtziger, im Radio die Nachrichten über die AKW-Katastrophe von Tschernobyl. Im Inneren ein Drang, von großer Höhe herunterzuspringen.
„Es ist viel geredet worden in den letzten Jahren darüber, wie viel Nachrichten soll man überhaupt konsumieren oder wie soll man sie positiv konsumieren? Oder höre ich mir nur mehr das an, was ich auch verändern kann? Diese Figur ist jedenfalls eine, die sich dem nicht entziehen kann. Dieses Höhenphänomen, „Call of the Void“, ist, wenn man es überspitzt sagen würde, sozusagen alles Arge, was das ein Mensch in seinem weiteren Umfeld im Leben erfahren kann. Es gipfelt in diesem Körpergefühl, gipfelt oder in diesem Moment wird es auf den Punkt gebracht.“
Rose-Anne Gush, ist Kunsthistorikerin, Künstlerin und Assistenzprofessorin an der TU Graz. Ihre Dissertation „Artistic Labor of the Body“ beschäftigt sich mit dem Zugang von Valie Export und Elfriede Jelinek zu Körper und Psyche als künstlerisches Material. Beide nutzen den Körper und die Psyche als direkten Werkstoff, um gesellschaftliche und politische Missstände greifbar zu machen.
Diese Kunstform widersetzt sich der historischen und patriarchalen Reduktion von Frauen auf ihre reproduktive Funktion oder als reines Sexualobjekt.
„The idea, if you think about a fascist image regime, is a kind of hardened position or armor, if you think about Klaus Theweleit’s idea of male fantasies, you have like a body-armor-human who is kind of really having walls up. And maybe there are ways to kind of use film to open spaces, or potentially with some of the work that I was looking at, that’s also thinking through the body metaphorically related to the film, like focusing on pain rather than brutalization processes. But what does it mean to inherit trauma, and how can you actually work through that. I don’t think I have an answer but I think the answer comes with creating gaps or openings or cuts or holes or these kind of things, rather than walls.“
Kuratiert wurde der Diskussions-Salon von Klaudia Kiczak und Lisa-Marie Gotsche. Wir danken den Teilnehmerinnen am Panel und den Zuhörer:innen.
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15:30-17:30 |📍Forum im Heimatsaal, Volkskundemuseum Graz
FC Gloria lädt im Rahmen des Diagonale Filmfestivals 2026 Gäst*innen aus den Bereichen Film, Kunst und Wissenschaft zu einer Diskussionsrunde:
Unter der Haut – Körper, Macht und Trauma
Filmarbeit ist Körperarbeit. Wie lassen sich filmische Zugänge zu Widerstand und Selbstermächtigung finden, wenn Körper über Generationen hinweg von Restriktion gezeichnet werden? FC-Gloria lädt zum Gespräch, gemeinsam mit den Filmemacherinnen Magdalena Chmielewska (“Teresas Körper”), Angelika Reitzer (“Das Höhenphänomen”) und der Kunsthistorikerin Rose-Anne Gush (“Artistic Labour of the Body”, TU-Graz).
In Zeiten des Wiedererstarkens autoritärer Systeme trifft die Restriktion erneut auf den Körper, in Form von Gewalt, alltäglich, strukturell und persönlich. Wie kann filmisches Arbeiten in diese Veränderungen eingreifen, Handlungsspielräume erweitern – und schließlich zurückgewinnen? Eine Podiumsdiskussion über das, was wir unter unserer Haut mittragen –und wie wir es sichtbar machen können.
Eröffnet wird der Salon mit einer performativen Einlage des Gloria Chors
Moderation: Dalia Ahmed (ORF/FM4)
Konzeption: Klaudia Kiczak, Lisa-Marie Gotsche
Wir freuen uns auf ein angeregtes Gespräch mit unseren Panelist*innen:

Rose-Anne Gush ist Kunsthistorikerin, Theoretikerin, Kuratorin und Künstlerin. In ihrer Forschung setzt sie sich kritisch mit Diskursen zu globaler Kunst, feministisch-marxistischen Theorien und der Politik künstlerischer Arbeit auseinander, wobei sie sich auf Körper, Medien und Performance, Erinnerung und Trauma sowie Geografien und Landschaften von Ausbeutung und Befreiung konzentriert. Sie ist Assistenzprofessorin an der TU Graz. (Foto: Marija Janćič)

Magdalena Chmielewska ist Regisseurin und Drehbuchautorin polnischer Herkunft und lebt in Wien. Ihre Filme wurden auf internationalen Filmfestivals gezeigt und unter anderem mit dem First Steps Award der Deutschen Filmakademie sowie dem Max-Ophüls-Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Ihr Drehbuch „Teresas Körper“ wurde für den Thomas-Pluch-Preis nominiert. Sie absolvierte die Filmakademie Wien. Neben ihrer Filmarbeit ist sie als Gastdozentin für Schauspielführung tätig. (Foto: Claudia Pelosi)

Angelika Reitzer ist Schriftstellerin, Filmemacherin und Drehbuchautorin. Ihr Werk umfasst erzählende Literatur (Romane, Prosa) und Lyrik, Drehbücher, Libretti für Musiktheaterstücke, Musicals und Opern. Angelikas Kurzdoku „abstechen“ lief 2024 auf der Diagonale und bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen; der Gedichtband „Blauzeug“ war 3 Monate auf der ORF-Bestenliste. Diagonale 2026: „Das Höhenphänomen“ Drehbuch und Regie. (Foto: Peter Rigaud)

Der Gloria Chor, ein künstlerisches Community-Projekt von FC Gloria, eröffnet mit einer performativen Chorintervention die anschließende Podiumsdiskussion. Unter der künstlerischen Leitung von Eva Prosek, versteht der Chor gemeinsames Singen als künstlerische und gesellschaftliche Praxis. Stimme wird hier zum Medium für Sichtbarkeit, Austausch und kollektive Artikulation.
Wir freuen uns sehr auf Euch und ein spannendes Panel! ✊🏼
