Werkstattgespräche mit Filmpionierinnen #1 Hilde Berger

Eine Veranstaltungsreihe von FC Gloria Frauen Vernetzung Film in Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum und der Kunstuniversität Linz / Abteilung für zeitbasierte Medien.

Idee: Julia Pühringer
Konzept und Umsetzung: Wilbirg Brainin-Donnenberg und Julia Pühringer

Es hat sie immer schon gegeben, die kämpferischen Frauen in dieser Branche: Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen, Editorinnen, Kamerafrauen, Ausstatterinnen haben das österreichische Kino und Fernsehen geprägt. Und doch mussten und müssen Filminteressierte ihre Namen Generation für Generation neu wiederentdecken – eine kontinuierliche Kanonisierung fand bis vor kurzem kaum statt. Während revolutionäre Frauen aus der Filmbranche anderswo schon früh unterrichteten, wurde die Expertise der Frauen der österreichischen Filmbranche selten institutionalisiert und Film-Studierenden (auch aktiv) vorenthalten. Wir holen einige dieser Filmpionierinnen in einer Reihe von ca. zehn je zweistündigen Werkstattgesprächen auf die Bühne, zeigen einzelne Filme vorab, beleuchten ihre Arbeit in Filmausschnitten. Es geht nicht um die Beantwortung punktueller Fragen, sondern um wesentliche Höhepunkte eines Arbeitslebens in seiner Gesamtheit. Was steht auch am Programm: Nicht weniger als die Weitergabe des Feuers, einen Abend lang. Die Moderation übernehmen branchennahe Personen der nächsten oder übernächsten Generation, im Anschluss können sich möglichst niederschwellig die Vertreter*innen unterschiedlicher Generationen kennenlernen und ins Gespräch kommen.

Die Veranstaltungen werden ca. vierteljährlich im Laufe mehrerer Semester in Wien und Linz stattfinden, im Anschluß erscheint eine Publikation dazu.

#1 Die Drehbuchautorin Hilde Berger
Alles beginnt mit einem Drehbuch, also beginnt die Reihe mit der (Drehbuch-)Autorin, Schriftstellerin und Schauspielerin Hilde Berger („Lenz oder die Freiheit“, „Egon Schiele: Tod und Mädchen“, „Alma und Oskar“), die auch 1989 das Drehbuchforum mitbegründet hat.

Wien: 23. März ab 18.00 Uhr, Filmmuseum Wien
Linz: 24. März ab 18.00 Uhr, Kunstuniversität Linz, Abteilung für Zeitbasierte Medien

18:00 Filmpräsentation: Der richtige Mann, Vorfilm: Geh Vau
KARTENRESERVIERUNGEN FILMMUSEUM HIER

20:30 Werkstattgespräch mit Hilde Berger
Moderieren werden das Gespräch (Drehbuch-)Autorin und Regisseurin Marie Luise Lehner und Journalistin Julia Pühringer.
Das Gespräch findet bei freiem Eintritt statt.

Anschließend an die Veranstaltung laden wir zu einem Glas Wein.

18:00                                                                                                                                      Geh Vau
Marie Luise Lehner. AT, 2019, DCP, Farbe, 21 min. Deutsch
Der richtige Mann
Regie: Dieter Berner; Drehbuch: Hilde Berger, Dieter Berner; Kamera: Frank Brühne; Schnitt: Erika Geiger; Musik: Wolfgang Puschnigg; Darsteller*innen: Wolfram Berger, Lisa Mühlmann, Heinz Petters, Inge Toifl, Erhard Koren, Hilde Berger. AT, 1981, DCP, Farbe, 100 min. Deutsch*

 In der TV-Komödie Der richtige Mann schmeißt ein Avantgarde-Schauspieler (Wolfram Berger) alles hin und wird Suppenwürfel-Vertreter, doch der Kapitalismus frisst eben alle. Der Film verwendet Elemente von Peter Turrinis Theaterstück Rozznjogd von 1971, in dem Hilde Berger als Schauspielerin mitwirkte. Sie verfasste mit Dieter Berner gemeinsam das Drehbuch und spielte auch im Film mit. Im Anschluss als Dialogfilm Geh Vau: Zwei Freundinnen, ihre WG, grundehrliche Gespräche über guten und schlechten Sex, irgendwer schnorrt ein Kondom, ein Besucher wartet und neue Zeiten sind angebrochen. (J.P.)

* Mit freundlicher Genehmigung des ORF und des Thomas Sessler Verlags

Hilde Berger
Schriftstellerin, (Drehbuch-)Autorin und Schauspielerin
Geboren 1946 in Oberösterreich, Studium der Germanistik und Theaterwissenschaften, Gründungsmitglied der Wiener Avantgardebühne „Cafétheater hinterm Graben“ (später Ensemble Theater Wien), leitete die Theatergruppe „torso“, Experimente mit neuen Theaterstilen unter Aufhebung der Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum, Studium u.a. im polnischen „Teatr Laboratorium Wrocław“, Erforschung des „Armen Theaters“. Beginnt in den 1980er Jahren als Drehbuchautorin („Der Richtige Mann“, „Joint Venture“, „Lenz oder die Freiheit”, „August der Glückliche“). Mitbegründerin des „Drehbuchforum Wien“. 1999 erster Roman, „Ob es Hass ist solche Liebe?“ über Oskar Kokoschka und Alma Mahler-Werfel (Verfilmung nach ihrem Drehbuch gemeinsam mit Dieter Berner “Alma und Oskar” 2022) . 2009 „Tod und Mädchen, Egon Schiele und die Frauen“, 2016 mit Bergers Drehbuch verfilmt, zahlreiche Preise, 2020 „Die Windsbraut“. Unterrichtete u.a. am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Wien sowie in Potsdam an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ am Studio Babelsberg.

Marie Luise Lehner
(Drehbuch-)Autorin und Filmemacherin
Geboren 1995 in Wien, Studium am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien sowie Drehbuchstudium an der Filmakademie Wien. Aktuell Studium im Master für Regie an der Filmakademie Wien, Klasse Jessica Hausner und kontextuelle Malerei an der Akademie der bildenden Künste, Klasse Ashley Hans Scheirl. Romandebut: „Fliegenpilze aus Kork“ (2017), 2018 erschien ihr zweiter Roman „Im Blick“. Kurzfilme u.a. „Nichts“ (2015), „Kaugummizigaretten“ (2016), „Dont fck with the Diva*“ (2017), „Geh Vau“ (2019), „Mein Hosenschlitz ist offen. Wie mein Herz“ (2021). Zahlreiche Preise für Text und Film. Spielt in der feministischen Punkband „Schapka“.

#1 Die Drehbuchautorin Hilde Berger 
Eine Veranstaltung  von FC Gloria Frauen Vernetzung Film in Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum und der Kunstuniversität Linz / Abteilung für zeitbasierte Medien mit Unterstützung von VDFS und Drehbuchforum Wien.

Hilde Berger [Foto: © Max Berner]